Golf gehört zu den traditionsreichsten Sportarten der Welt. Viele Begriffe, Regeln und Gepflogenheiten, die Golfer heute ganz selbstverständlich nutzen, reichen Jahrhunderte zurück. Wer die Geschichte kennt, versteht manches auf dem Platz besser – und hat beim 19. Loch eine gute Geschichte parat.
Die Ursprünge in Schottland
Spiele, bei denen ein Ball mit einem Stock geschlagen wird, gab es in vielen Kulturen. Das Golf, wie wir es heute kennen, entwickelte sich jedoch in Schottland. Bereits im 15. Jahrhundert war es dort so beliebt, dass König James II. es 1457 per Gesetz verbieten ließ – die Männer sollten lieber Bogenschießen üben, statt Golf zu spielen.
Das Verbot hielt nicht lange. Später spielten sogar schottische Könige selbst Golf, und das Spiel verbreitete sich über das ganze Land.
St Andrews: Die „Heimat des Golfsports“
Der Old Course in St Andrews gilt als „Home of Golf“. Auf dem Dünengelände an der schottischen Küste wird seit dem 15. Jahrhundert Golf gespielt. Hier ist auch der Standard von 18 Löchern entstanden: 1764 wurde der Platz von 22 auf 18 Löcher verkürzt – eine Zahl, die sich später weltweit durchsetzte.
In St Andrews hat auch der Royal and Ancient Golf Club seinen Sitz, dessen Name bis heute eng mit den Golfregeln verbunden ist. Die berühmte Swilcan Bridge über den Bach am 18. Loch ist eines der meistfotografierten Motive des Golfsports.
Die ersten Regeln
1744 schrieben die „Gentlemen Golfers of Leith“ (Edinburgh) die ersten bekannten Golfregeln nieder – ganze 13 Regeln für ein Turnier. Viele Grundsätze darin gelten bis heute, etwa, dass der Ball gespielt wird, wie er liegt.
Die Regeln werden heute von R&A und USGA (gegründet 1894) gemeinsam herausgegeben. Seit 1952 gibt es ein weltweit einheitliches Regelwerk, 2019 folgte eine große Modernisierung. Die wichtigsten Regeln erklären wir in den Golfregeln für Einsteiger.
Die Entwicklung des Golfballs
- Featherie: Die frühen Golfbälle bestanden aus einer Lederhülle, die mit Federn gefüllt war – aufwendig in der Herstellung und teuer.
- Guttie: Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Ball aus Guttapercha durch, einem gummiartigen Naturmaterial. Er war günstiger und machte Golf für mehr Menschen erschwinglich.
- Gummikern-Ball: Um 1900 kam der Ball mit gewickeltem Gummikern auf und flog deutlich weiter.
- Dimples: Golfer merkten, dass zerschrammte Bälle besser flogen als glatte – daraus entwickelten sich die heutigen Dellen (Dimples).
Wie moderne Bälle aufgebaut sind, zeigt unser Golfball-Ratgeber.
Vom Holzschaft zum Hightech-Schläger
Lange bestanden Golfschläger komplett aus Holz, die Schäfte meist aus Hickory. In den 1920er-Jahren wurden Stahlschäfte zugelassen – ein großer Schritt für Präzision und Haltbarkeit. Heute bestehen Schläger aus Titan, Stahl und Carbon, und Köpfe werden mit Computern und KI optimiert. Einen Eindruck davon geben unsere Kaufberatungen zu Drivern und Eisen.
Die großen Turniere
- The Open Championship: Das älteste der vier Major-Turniere, erstmals 1860 in Prestwick ausgetragen.
- US Open: seit 1895.
- PGA Championship: seit 1916.
- The Masters: seit 1934 in Augusta.
Golf war außerdem 1900 und 1904 olympisch und kehrte 2016 in Rio de Janeiro ins olympische Programm zurück.
Golf in Deutschland
In Deutschland entstanden die ersten Golfplätze Ende des 19. Jahrhunderts, oft in Kurorten mit vielen britischen Gästen. 1907 wurde der Deutsche Golf Verband (DGV) gegründet. Lange galt Golf hierzulande als exklusiver Sport – heute ist er ein Breitensport, den Menschen jeden Alters spielen. Wie man heute einsteigt, erklärt unser Ratgeber Golf lernen.
Seit 2021: ein weltweites Handicap-System
Auch das Handicap hat eine lange Geschichte mit vielen nationalen Systemen. Seit 2020 gibt es das weltweit einheitliche World Handicap System, in Deutschland gilt es seit 2021 – mehr im Handicap-Ratgeber.
Häufige Fragen
Wo wurde Golf erfunden?
Das moderne Golf hat sich in Schottland entwickelt. Schon im 15. Jahrhundert war es dort so verbreitet, dass König James II. es 1457 verbieten ließ.
Warum hat ein Golfplatz 18 Löcher?
Der Standard geht auf den Old Course in St Andrews zurück, der 1764 von 22 auf 18 Löcher verkürzt wurde. Diese Zahl setzte sich später weltweit durch.
Welches ist das älteste Golfturnier?
The Open Championship, erstmals 1860 in Prestwick (Schottland) ausgetragen. Sie ist das älteste der vier Major-Turniere.
Fazit
Vom verbotenen Zeitvertreib im Schottland des 15. Jahrhunderts über die ersten Regeln 1744 und den Standard von 18 Löchern bis zum olympischen Sport: Golf blickt auf eine lange Geschichte zurück. Viele Traditionen leben bis heute weiter. Passend dazu: Golfbücher und Klassiker bei den Golfbüchern und die heutigen Golfplatz-Typen.
Titelbild: „R&A Clubhouse, Old Course, Swilcan Burn bridge“ von Optograph, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (verkleinert)


